Vitrine im Hentrichhaus

ANNA MÖLLER

Break Up. No place to sit and talk.

Herzliche Einladung zur Eröffnung der neuen Installation
in der Vitrine im Hentrichhaus am Dienstag, 1. September 2026, um 19 Uhr.

„Break Up. No place to sit and talk.“ eröffnet ein Spannungsfeld zwischen Spiegelkabinett, Labyrinth und Schaufenster. Intuitiv sucht man darin nach einem Zu- oder Ausgang, trifft stattdessen auf die Spiegelung des eigenen zersplitterten Selbst. Sichtbar werden Fragmente von Körpern („Untitled (Body) I-V“), gut geschützt vor Annäherung und Berührung.

Die Arbeit thematisiert die Aneignung, Disziplinierung und Fragmentierung des weiblich gelesenen Körpers – ein bis heute umkämpftes Terrain patriarchaler und kapitalistischer Machtverhältnisse. Selbst im digitalen Zeitalter sind unsere Körper nicht wegzudenken: als Ort gesellschaftlicher Einschreibungen ebenso wie persönlicher Erfahrung.

Diese Verschränkung materialisiert sich in den Stoffobjekten von Anna Möller. Die verwendeten Materialien tragen ihre Geschichte sichtbar in sich, zeigen Spuren ihres früheren Gebrauchs und narbenähnliche Nähte. Weitergereichte Daunendecken, durch Schnüre und Glasplatten gepresst, vernäht und mit Härter fixiert, bilden eine skulpturale Sprache, in der Materialität, Erinnerung und Verdrängung miteinander verwoben sind. Die Objekte entziehen sich einer eindeutigen Zuschreibung und oszillieren mit ihren weichen, hautähnlichen Oberflächen zwischen organischer Körperlichkeit und industriellem Material – einem Material, das tief von intimer Geschichte durchdrungen ist.

Je nach Perspektive erscheinen die Arbeiten tragisch, verstörend, grotesk oder humorvoll und eröffnen ein Spektrum von Unbehagen über Verletzlichkeit zu Anziehung und Begehren. In einem Beziehungsgeflecht zwischen Objekt und Blick, Körper und Architektur kehren sich Innen und Außen wechselseitig um.

Anna Möllers Arbeiten machen Identität als prozesshaft erfahrbar – geprägt von Brüchen, Überlagerungen und Abwesenheiten – und verweisen zugleich auf die Fragilität unserer Körper.

„Break Up. No place to sit and talk.“ führt damit einen Diskurs im Malkasten fort, der mit der Ausstellung „Her. un/seen“ im Malkastenforum begonnen hat. Erst 1977 hat sich der Verein auch Künstlerinnen geöffnet und spiegelt in seiner Geschichte die Widersprüche des 20. Jahrhunderts.

Anna Möller (1980) studierte an der HfBK Hamburg und wurde u.a. mit dem Villa-Romana-Preis und dem Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium ausgezeichnet. Ihre Arbeiten wurden beispielsweise 2016 in der Kunsthalle Düsseldorf ausgestellt.

Abb. Anna Möller, Break Up. No place to sit and talk, 2026 © the Artist