Malkastenforum
DIONYSISCHES DENKEN
Die Kunst der Feste
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Herzliche Einladung zur Eröffnung der Ausstellung “Dionysisches Denken. Die Kunst der Feste” am Karnevalssamstag, 14. Februar 2026, um 15 Uhr.
Seit seiner Gründung 1848 spielt das „gesellige Zusammenkommen“ eine wichtige Rolle im Künstlerverein Malkasten. Aufwändig gestaltete Festumzüge und Künstlerfeste im Malkastenpark gehörten ebenso dazu wie die seit 1852 stattfindenden Maskenbälle an Karnevalssamstag, die sogenannten Malkasten-Redouten. Bis heute gilt der Malkasten als „dionysischer Begegnungsort“, an dem fantasievoll, ironisch und ausgelassen gefeiert werden kann.
Die Ausstellung „Dionysisches Denken. Die Kunst der Feste“ blickt anhand selten gesehener Exponate aus dem Archiv zurück auf diese Tradition und zeigt zugleich aktuelle künstlerische Positionen, die sie in ein neues Licht stellen. Das freie Spiel unterschiedlicher Medien – Rauminstallationen, Gemälden, Videoarbeiten und Fotografien – spiegelt die Diversität und die Aufbruchstimmung, für die der Malkasten auch 2026 steht. Im Dialog der Zeiten entsteht ein bunter Parcours, der seinerseits zum Feiern der Kunst und Künste einlädt. Willkommen im „Dionysischen Denken“!
Zeitgenössische Positionen in der Ausstellung sind: Selva Amelia Balta, Fabian Friese, FORT, Dominik Geis, Jody Korbach, Kaya Pfaff, Lorenzo Pompa, Katja Tönnissen, Alex Wissel
Die historischen Malkasten-Redouten hatten jeweils ein bestimmtes Thema. Die erste heute nachweisbare fand 1852 unter dem Motto „Aschenbrödels Hochzeit“ statt. Doch nicht nur die Welt der Märchen inszenierte man, auch die Kunstgeschichte spielte eine Rolle („Albrecht Dürer in Venedig“, 1889, oder „Ein Fest bei Peter Paul Rubens“, 1893), außerdem das Zeitgeschehen und aktuelle Trends. „Eine Hochzeit auf dem Monde“ griff beispielsweise 1896 die damalige Begeisterung für den Weltraum auf. Veranstaltungsort war bis 1914 die städtische Tonhalle an der heutigen Schadowstraße, das in dieser Zeit größte Veranstaltungsgebäude der Stadt. Hier konnten bis zu 2000 Personen Platz finden und mitfeiern.
Die Feste sollten ein großes Gesamtkunstwerk werden. Für die Schauspiel-aufführungen wurden phantasievolle Kulissen gefertigt. Andreas Achenbach beispielsweise schuf 1869 eine „Narrenburg“. Für „Ein Winternachtstraum“ wurde 1888 die Bühne in eine winterliche Landschaft mit Felsgrotten, Eisbären und Schneemännern verwandelt. Ein Festzug vor und nach der Aufführung bezog das Publikum mit ein, und gerne besuchte man die Veranstaltung in einer Verkleidung, die zum Thema der jeweiligen Redouten passte.
Der Erste Weltkrieg führte zu einer Unterbrechung der Malkasten-Redouten, doch setzte man diese fort, wie u.a. 1927 mit der Redoute „Im Reiche des Buddhas“ oder 1930 mit „Atlantis ahoi“. In den frühen 1930er Jahren wurden die Redouten dann Indiz der sich in Deutschland verschärfenden gesellschaftlichen Konflikte. 1931 entfachte eine von den jungen Künstlern Arthur Kaufmann, Ernst Schumacher-Salig, Jean Paul Schmitz und Bruno Goller geschaffene Festdekoration mit weiblichen Akten einen internen Streit, der auch öffentlich in der Düsseldorfer Presse ausgetragenen wurde, schwankend zwischen politischer Mahnung und offen nationalsozialistischer Hetze. In der Folge verließen über 80 progressive Künstlermitglieder den Verein – rund ein Fünftel der Mitgliedschaft. Die Redouten der folgenden Jahre sind deutlich weniger innovativ und eher rückwärtsgewandt. Das Motto des Jahres 1932, „Trotz Allem – Sonnenland“, spiegelt eine Leugnung der tatsächlichen Verhältnisse.
Bevor nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die eigenen Vereinsräumlichkeiten wieder genutzt werden konnten – diese waren durch Bombenangriffe 1943 zerstört –, fanden die Redouten des Malkasten in anderen Räumlichkeiten statt, wie 1949 in der Rheinhalle und 1950 im Ehrenhof. Diese wurden aufwendig wie vor dem Zweiten Weltkrieg ausgestattet, doch die Festspieltradition mit Bühnendarbietungen zu Karneval nahm man nie wieder auf. Bis Anfang der 1990er Jahre richtete der Malkasten jährlich eine Redoute aus.
2026 führt der Künstlerverein Malkasten die Tradition der Karnevalsfeier fort und überträgt sie in die Gegenwart. Initiiert vom Künstler Alex Wissel wandelt sich der Malkasten am 14. Februar für zwölf Stunden in ein Multiversum, in dem sich Zeiten und Räume in gegenläufiger Richtung kreuzen. Die Studierenden des Künstlerinnenkollektivs FORT der Kunstakademie Kiel haben gemeinsam mit Alex Wissel dieses Konzept erarbeitet und unter der Regie der Vielen umgesetzt.
Die Ausstellung „Dionysisches Denken. Die Kunst der Feste“ steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Comitee Düsseldorfer Carneval e.V., Lothar J. Hörning.
Mit Dank an die Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute für die technische Unterstützung für die Arbeit von Dominik Geis.
Gestaltung Fabian Weins, nach Kostümentwürfen von Alexander Frenz für den Malkasten-Maskenball „Eine Hochzeit auf dem Monde“ von 1896
