Malkastenforum
HER. un/seen
Künstlerinnen im Malkasten 1977-1997
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Die Rolle der weiblichen Mitglieder im Künstlerverein Malkasten ist wesentlich – wurde aber bisher wenig beachtet. Erstmals behandelt die Ausstellung „HER. un/seen. Künstlerinnen im Malkasten 1977-1997“ dieses wichtige Thema.
„Heute ist ein Herrenabend! Für begleitende Damen ist das Goethezimmer reserviert! Wir bitten um Verständnis. Der Vorstand.“ Dieses Motto galt lange Zeit im Künstlerverein Malkasten, dem 1848 von Künstlern für Künstler gegründeten Verein – wohlgemerkt 129 Jahre nur für Künstler! Vereinzelt gab es zwar Ausstellungen von Künstlerinnen, und Frauen durften ihre Ehemänner, die Mitglied waren, zu Veranstaltungen begleiten, doch war dies mitunter nicht immer der Fall.
Mitte der 1970er Jahre diskutierte man verstärkt die Aufnahme von Frauen in den Verein. Dafür war eine Satzungsänderung nötig. Mehrfach wurde das Thema auf die Tagesordnung der jährlich stattfindenden Generalversammlungen gesetzt. Doch erst am 3. Mai 1977 wurde die Satzung geändert. Von den 85 abgegeben Stimmen waren 66 dafür, 18 dagegen, ein anwesendes Mitglied enthielt sich. Von da an konnten Frauen Mitglied im Künstlerverein Malkasten werden. Eines der ersten weiblichen Mitglieder war die Malerin, Grafikerin und Illustratorin Helga Radener-Blaschke, die sich in den 1950er und 1960er Jahren deutschlandweit einen Namen mit Kunst-am-Bau-Projekten gemacht hatte.
Die Ausstellung „HER. un/seen. Künstlerinnen im Malkasten 1977-1997“ vermittelt einen Eindruck von der großen Bandbreite weiblicher Positionen im Malkasten in den ersten zwei Jahrzehnten nach der wegweisenden Satzungsänderung. Gezeigt werden die Werke von rund 40 ausgewählten Künstlerinnen, unter ihnen viele Neu- und Wiederentdeckungen.
Die Exponate – Gemälde und Fotografien, Zeichnungen, Collagen und Druckgrafiken, Skulpturen, Videoarbeiten und Installationen – stammen von den Künstlerinnen selbst, aus deren Nachlässen, aus Museen und Privatsammlungen sowie aus dem Archiv des Künstlerverein Malkasten. Zusätzlich belebt wird die Ausstellung durch Video-Interviews mit Künstlerinnen, die eigens aus diesem Anlass geführt wurden.
Ein bemerkenswertes historisches Schlaglicht auf das Thema werfen die Arbeiten der Jugendstilkünstlerin Ilna Ewers-Wunderwald (1875-1957). Als Frau vom Studium an einer Kunstakademie ausgeschlossen, war sie weitestgehend Autodidaktin und nahm wahrscheinlich privaten Kunstunterricht. Da ihr Bruder als Kegelmeier des Vereins fungierte, hatte sie die Möglichkeit, regelmäßig in den Verein zu kommen. Im Malkasten lernte sie auch ihren späteren Ehemann, den Schriftsteller Hanns Heinz Ewers kennen, dessen Vater Heinz wiederum im Vorstand von 1876-1877 tätig gewesen ist. Als Frau kam für Ilna Ewers-Wunderwald eine Mitgliedschaft jedoch nie in Frage.
Wenn die Ausstellung einerseits die Vergangenheit des Vereins aufarbeitet, so zeigt sie andererseits die aktuelle künstlerische Praxis von Frauen. Drei junge Künstlerinnen, Malkästnerinnen aus dem Umfeld der Kunstakademie, haben neue Arbeiten entwickelt, die Bezug nehmen auf drei der älteren Positionen in der Ausstellung.
Der auf diese Weise sich entspinnende Dialog zwischen den Generationen und den unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen und Haltungen findet auch seinen Niederschlag im Begleitprogramm.
Die Ausstellung „HER. un/seen. Künstlerinnen im Malkasten 1977-1997“ ist das erste Ergebnis intensiver Recherchen, die im Frühjahr 2024 begonnen wurden und noch lange nicht abgeschlossen sind. Sie bildet den aktuellen Zwischenstand ab und macht viele teils bisher ungesehene Künstlerinnen endlich sichtbar.
Künstlerinnen der Ausstellung, die mit Werken und/oder Interviews vertreten sind:
Ulrike Arnold, Ulrike Beckmann, Alice Blumberg, Dorothee Bouchard, Charlotte Buck-Bliesener, Adina Caloenescu, Antonia Dombrowski, Ilna Ewers-Wunderwald, Karin Flörsheim, Gretel Gemmert, Lenore Gerber-Sporleder, Maren Heyne, Nan Hoover, Setsuko Ikai-Kottmann, Anna Jocham, Ruth van Kampen, Claudia van Koolwijk, Elisabeth Köhler-Burtscheidt, Herma Körding, Kim-Camille Kreuz, Silke Leverkühne, Julia Lohmann, Marianne Mangold-Nienhaus, Edith Oellers, Elly Ohms-Quennet, Jeanette Plücken, Gerhild Poos, Lu Possehl, Helga Radener-Blaschke, Natascha Schmitten, Ina Seeberg, Brigitte Seeling-Fassbender, Hannelore Strohbach, Nobuko Sugai, Sabine Tschierschky, Ruth Weber, Brigitte Wiegmann, Annette Wimmershoff
Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit des Teams des Künstlerverein Malkasten entstanden: mit der Kunsthistorikerin und Kuratorin Beate Kolodziej, der Leiterin des Archivs Sabine Schroyen sowie den künstlerischen Vorständen Evamaria Schaller und Myriam Thyes.
TEXT ZUR AUSSTELLUNG IN LEICHTER SPRACHE
ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN
Dienstag, 3. Februar 2026, 17 Uhr
BEGLEITPROGRAMM
Samstag, 15. November 2025, 19 Uhr: GENERATION 4. BLENDING Q – FEMSURRECTION
Sonntag, 7. Dezember 2025, 15 Uhr: Chanoyu – Japanische Teezusammenkunft mit Nobuko Sōchō Sugai
Dienstag, 9. Dezember 2025, 19 Uhr: Lesung mit Ina Seeberg
Freitag, 16. Januar 2026: təˈtæʉ Temporäres Sound- & Tätowier-Studio im Goethezimmer mit Franziska Nast und Julia Bünnagel
Site-specific tattooing-Studio am Freitag, 16. Januar 2026, ab 10 Uhr
Franziska Nast entwickelt für jeden Ausstellungsort eine eigene Motivkollektion, die ausschließlich dort angeboten und im Rahmen ihres ortsspezifischen Tätowierens umgesetzt wird. Da die Termine begrenzt sind, bitten wir um Anmeldung unter info@franziskanast.de.
Gemeinsame Performance am Freitag, 16. Januar 2026, um 19 Uhr, im Anschluss Musik & Drinks
Franziska Nast und Julia Bünnagel verbindet ein übergreifender und abseitiger Kunstansatz und eine Freundschaft. Gemeinsam performen sie mit der Nadel: Nast mit der Tätowiermaschine, Bünnagel mit schroffen und raumgreifenden Cuts an den Turntables. In ihrer gemeinsamen Aktion verbinden sie den Klang als vergängliches mit dem dauerhaftem der Tätowierung.
Dienstag, 20. Januar 2026: „Sichtbarkeit als Machtfrage: Über aktuelle Perspektiven für Künstlerinnen”, initiiert vom Frauenkulturbüro NRW,
An der Podiumdiskussion nehmen teil:
Ilka Helmig (And She Was Like: BÄM! e. V.)
Sascha Förster (Leiter Theatermuseum Düsseldorf/ Vorstand Frauenkulturbüro NRW) Beate Kolodziej (Künstlerverein Malkasten, Kuratorin der Ausstellung „HER. un/seen“) Natascha Schmitten (Künstlerin der Ausstellung „HER. un/seen“)
Karin Trepke (Mitglied der GRÜNEN)
moderiert von Evamaria Schaller (Künstlerischer Vorstand Künstlerverein Malkasten/ Vorstand Frauenkulturbüro NRW)
ÖFFNUNGSZEITEN MALKASTENFORUM
Di von 17-21 Uhr, Do bis So 11-17 Uhr
Das Malkastenforum bleibt vom 22. Dezember 2025 bis einschließlich 4. Januar 2026 geschlossen.
Gefördert durch die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Mit freundlicher Unterstützung der Kultur- und Sozialstiftung der Provinzial Rheinland Versicherungen.

HER. un/seen. Künstlerinnen Im Malkasten 1977-1997, Entwurf Melissa Korkmaz
