Schaukasten & Fahnen auf dem Vorplatz

LEYA CHRISTIN WÜLLNER & CHARLOTTE STEIGER

RAGE/bait

Herzliche Einladung zur Präsentation der neuen Arbeit im Schaukasten auf dem Vorplatz und der neuen Fahneninstallation am Dienstag, 1. September 2026, um 19 Uhr.

Bite my flesh! – Strip my fur – Stir our rage!

Ob Tiere oder Menschen, über unsere eigene Haut zu bestimmen ist unser ureigenster Instinkt. Doch im Patriarchat haben einige Personengruppen einen schweren Zugang zu körperlicher Selbstbestimmung, dort wo diverse Diskriminierungsformen und sozialisierte Prägungen ihren Lauf nehmen, dort wo man sich als Frau, als queere Person, als FLINTA*, als unterdrückte Person im Patriarchat fragen muss:

Wie viel Autonomie habe ich über meinen eigenen Körper?

Darf ich über meinen Körper bestimmen?

Wo wird mir meine Selbstbestimmung entrissen und wo erkämpfe ich sie mir jeden Tag neu?

Wo schneidet meine Autonomie der Normgesellschaft ins Fleisch und rüttelt an ihren Fundamenten?

Und welche Rolle spielt diese schreiende Ungerechtigkeit und unsere Wut dabei?

Stir our rage!

Die Fahneninstallation und das Plakat von Leya Christin Wüllner und Charlotte Steiger tragen den Titel RAGE/bait und bewegen sich eben zwischen diesen Fragen und werfen schneidende Klarheiten darüber auf, was es bedeutet als gebärfähige Person einen Körper im Patriarchat zu bewohnen und dauerhaft, um die eigene Autonomie zu kämpfen. Sei es in der Forschung um Uteri, Endometriose, Verhütung und Gebärfähigkeit oder der tagtäglichen Auseinandersetzung mit Sexismen oder Queerfeindlichkeit.

Das System sortiert und bewertet Körper ununterbrochen, wie eine Ware oder ein zum Verzehr stehendes Objekt. Oft kann es sich so anfühlen, als gäbe es bei all der Angreifbarkeit nur die Fluchtinstinkte, um buchstäblich die eigene Haut zu retten. Doch um selbstbestimmt zu leben, gilt es am Ende des Tages sich die eigenen Hintertüren zu bauen, sich gegenseitig zu (unter)stützen und wehrhaft zu bleiben!

Bite our flesh!

Mit ihren Techniken aus Bleistiftzeichnungen und Linoldruck, scharfen Kanten und unerbittlichen Kontrasten ruft RAGE/bait zur Wehrhaftigkeit auf. Denn künstlerische Handarbeit wurde historisch vor allem in feministischen Bewegungen schon lange als Mittel des künstlerischen Widerstands und der Vernetzung verstanden und reclaimed.

Emanzipation und Selbstbestimmung bleiben handgemacht, und Sichtbarkeit gehört so illustriert, wie es der kämpferischen Realität entspricht.

Geschrieben von Birte Stolte

 

Credits: RAGE/bait, 2026, Copyright: Leya Christin Wüllner und Charlotte Steiger