Theatersaal

Vortrag von Dr. Karoline Künkler

über Gerhard Richters «Birkenau (1–4)» von 2014 und die Sonderkommando-Fotografien

Herzliche Einladung zum Vortrag von Dr. Karoline Künkler über Gerhard Richters «Birkenau (1–4)» von 2014 und die Sonderkommando-Fotografien am Dienstag, 22. September 2026, um 19 Uhr.

Im Spätsommer 1944 nahmen Sonderkommando-Häftlinge beim Arbeitseinsatz im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau einige Lichtbilder auf, um Zeugnis abzulegen vom Massenmord in actu. Bei den vier überlieferten Fotografien handelt es sich um die einzigen Bildzeugnisse aus der Opferperspektive, somit um historische Dokumente höchsten Ranges. Gerhard Richter hat diese Aufnahmen seinem Gemäldezyklus «Birkenau (1–4)» (2014) zugrundelegt und sie damit weltweit bekannt gemacht.

Seit den ersten Ausstellungen wurden diesem Werk und seinem Maler ebenso Huldigungen wie scharfe Kritiken zuteil. Der Vortrag stellt dem Pro und Kontra dieser Debatten eine kunstwissenschaftliche Bildanalyse der Gemälde gegenüber und verortet diese in Richters Historien-Œuvre mit Unschärfe-Bildern nach Fotos ab den 1960er-Jahren. Wesentlicher Befund: Das enigmatische Werk bedarf eines sorgfältigen kuratorischen Konzeptes sowie angemessener Bildungsangebote, um die Betrachtenden zu erreichen und Missdeutungen vorzubeugen.

Zur Veranschaulichung werden drei Präsentationen herangezogen: die Ausstellung der Originale im Düsseldorfer K 21 (2021/22), die erste feste Installation «autorisierter Duplikate» im Berliner Reichstagsgebäude (ab 2017), die zweite am Rand des ehemaligen Vernichtungslagers, heute «Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau» (ab 2024) – wenige Kilometer entfernt von Krematorium V, wo die Sonderkommando-Fotografien entstanden.

Kontextuiert durch das KZ-Memorial, gerät der Gemäldezyklus im eigens errichteten Ausstellungshaus zu einem Stück deutscher Erinnerungskultur in der polnischen Gedenkstätte. Darauf referiert Leon Kahanes Schau «DIALOG DIALOG DIALOG» (2025), die sich mit dem Richter-Pavillon samt musealisiertem Lagergelände und neurechten Bewegungen hierzulande auseinandersetzt. Kahanes Kritik im Sinn und basierend auf meiner Exkursion nach Oświęcim (2026), untersucht der Vortrag Richters dortige Dauerschau hinsichtlich geopolitisch-räumlicher sowie historisch-temporaler Aspekte und zieht ein vorläufiges Resümee über «Birkenau (1–4)» als Medium des (Ge-)Denkens.

Zur Person.
Dr. Karoline Künkler: freiberufliche Kunstwissenschaftlerin, Autorin von Fachpublikationen und Dozentin in der Kulturellen Bildung (Vortrags- und Seminarreihen, Tagungen, Exkursionen), daneben Zeichnerin (Absolventin der Kunstakademie Düsseldorf). Promotion in Kunstgeschichte (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) mit der Dissertation «Aus den Dunkelkammern der Moderne. Destruktivität und Geschlecht in der Bildenden Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts« (Köln 2012).